• Michelle Reznicek

3er Freitag - Verirrungen des Lebens

Aktualisiert: Mai 15


Endlich sind die Probeexemplare meines Buches angekommen. Ich muss sagen, der Aufwand hat sich gelohnt. Das neue Cover steht dem Buch sehr gut. Es war sogar eine positive Überraschung – die Farben waren leuchtender und intensiver, als es zunächst auf dem PC danach ausgesehen hatte. Ich halte sie in Händen – und bin zufrieden. Danach hat es zu nächst eigentlich nicht ausgesehen.

Aus irgendeinem merkwürdigen Grund, hat der Pöstler nämlich das Packet, mit meinen Büchern, bei der einer Tankstellte abgegeben. Auf irgendeine Weise bin ich amüsiert. Schliesslich hat er immer hin eine von drei Angaben berücksichtigt. Name – egal – Postfach – egal – aber die richtige Strasse. Ich weiss nicht ob ich mich ärgern oder lachen soll.

Mal klappt es mit der Post hervorragend – Paket ist sogar so klein, dass es ins Postfach geht. Alle Beteiligten sind zufrieden. Und wenn es zu gross fürs Postfach ist – wird es im eigens dafür eingerichteten Volg abgegeben. Perfekt.

Aber manchmal (wohlgemerkt bei gleichbleibender Adresse) wird das Paket einfach zurückgeschickt. Ohne Kommentar. Dann wiederum wird es in der Hauptpoststellte abgegeben, wo man dafür ausgeschimpft wird, dass es bei ihnen abgegeben wurde und dass man keine Pakete ans Postfach schicken dürfe. Und der Volg ist verwirrt, weil er extra dafür eingesetzt wurde.

Dann richtete ich, Ottonormalverbraucher Pick-Post ein um das ganze etwas zu vereinfachen. Dann ging das Spiel von vorne los. Paket da perfekt. Paket einfach wieder zurückgeschickt, innerhalb der Frist, ohne Kommentar Frage oder sonstige Begründung. Oder netter Pöstler steht mit Paket in der Tür. Liegt es an mir?

Auch wenn die Aktion heute ziemlich bizarr war – hatte sie doch etwas lustiges und hinterlässt gleich drei verwirrte Menschen: Frau vom Verlag, Tankwart und ich. Ich muss schon ein ziemlich dummes Gesicht gemacht haben, als mir die Dame sagte mein Paket sei an der Tankstelle.

Immerhin war der Tankwart sehr freundlich. Aber ich bin bestimmt der erste Mensch der auf der Tankstelle sein Paket abholten konnte.

Ich danke dem Tankwart herzlich, sonst hätte ich mir die beiden Exemplare „ans Bei striche könne“.

Aber so ist die Zeit im Moment nicht? Die Leute sind merkwürdig drauf. Schon die ersten haben angefangen die Massnahmen fallen zu lassen. Die Zähler der Coop’s fangen an miteinander zu quatschen, anstatt zu zählen, bei den Grossanbieter achtet niemand mehr, ob man allein oder zu zweit kommt, schon wird bei der Grillfete über alles gelacht.

Normalität. Der Wunsch nach Normalität wird langsam lauter. Zwischen all den Menschen, Massnahmen und Vorträgen, wünsche auch ich mir ein kleines bisschen Normalität. Ist das denn so schwierig?

Als es endlich hiess – die Massnahmen werden gelockert – ab dem 8.6. dürfen wir endlich auch in unsere Tanzstudios zurück, war es eine grosse Erleichterung. Das Warten hat ein absehbares Ende. Endlich etwas worauf man hinarbeiten und warten kann. Das macht es wesentlich einfacher sich daran zu halten.

Aber jetzt ist es wieder so, wie für mich ganz am Ende von einem Workout. 25 Minuten von 28 ist alles gut – und die letzten drei sind unerträglich lang. Wo ist denn da die Logik lieber Verstand?

Ich bin ein wahnsinnig ungeduldiger Mensch – besonders am Ende. (Am Anfang und in der Mitte)

Ich bewunderte immer Menschen die ganz sorgfältig ihre Arbeit beenden und ganz geduldig aufräumen. Ich werde schon beim Zusehen wahnsinnig. Keine Aufgabe ist zu gross um mich zu schrecken, aber wenn ich dann noch sorgfältig aufräumen etc. muss bin ich tot.

Um etwas geduldiger zu werden, habe ich mich dem Yoga zu gewandt. An sich gefällt mir das Ganze. Geduld – Geist und Körper in Einklang bringen – was im Normalfall ja selten genug der Fall ist.

Doch dann steh ich da – im Krieger eins – und denke nur: Komm endlich auf den Punkt! Mach mal hinne – ich habe noch was vor! Und dann, wenn ich endlich meine drei Phasen der Ungeduld – Wiederwillen- Faulheit überwunden habe und endlich in einer mentalen Verfassung ankommen einfach mit dem Flow zu gehen – hören sie nicht auf zu quatschen. Konzentrier dich auf deine Gedanken und deine Atmung – lass sie einfach ziehen. (Rhabarberrhabarberr) – Dann halt mal die Luft an – dann kann ich meine Gedanken vielleicht hören. Okay. Ich gebe es zu. Es liegt vielleicht nicht nur an der Dame auf dem Video.

Warten – Tatendrang – Faulheit. Der Gemütszustand wechselt ungefähr so, wie das Wetter gerade. Wut und Wiederwillen darüber, dass man nicht das bekommt was man will und wenn man es will. Aber vielleicht sollte man sich darauf fokussieren – was man plötzlich einfach so bekommt. Denn obwohl die Zeit uns unglaublich viel abverlangt – bekommen wir doch etwas zurück, ohne es zu bemerken. Dass man zwar nicht zu denen Menschen Kontakt hat die man vermisst – aber plötzlich andere auf einem zu kommen. Dass man zwar nicht arbeiten kann oder darf – aber plötzlich merkt, dass die eigene Arbeit vermisst wird. Dass man gebraucht wird. Dass man Menschen etwas bedeutet, von dem man es gar nicht weiss.

Dass vielleicht irgendwo da draussen, ein freundlicher Tankwart, der dich gar nicht kenn – ein Paket für dich annimmt.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Geduld liebe Welt und die Augen dafür die Wunder zu sehen, die verborgen sind.





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Bilder: Mary Hong