• Michelle Reznicek

2er Freitag. Höflichkeit in Zeiten von Corona

Aktualisiert: Mai 15

Am Anfang des Lockdowns, haben noch irgendwelche Leute gezählt der wievielte Tag es gerade ist. Irgendwie habe ich die Übersicht verloren. Es ist könnte der 365 sein - oder auch nur ein Wochenende danach. Ich weiss nicht mehr recht welcher Tag ist - jeder könnte Sonntag sein, denn man kann (soll) nicht Einkaufen, man kann nicht ins Kino, zum Friseur oder sonst wo hin. Eigentlich ist seit Wochen Sonntagabend. Inzwischen habe ich meine Wohnung ausgemistet, Sachen neu gestrichen, alte Kleider geflickt, Pizza, Hollandaise und Falafel selbst gemacht, Rezepte gelesen, Meditationen und Home-workouts gemacht, eine Website gestaltet, an Büchern gearbeitet, meine PCs aufgeräumt, im Homeoffice gearbeitet und Sicherheitskopien nachgemacht. Dennoch fällt mir allmählich die Decke auf dem Kopf. Ich freu mich richtig aus dem Haus zu gehen und so simple Sachen zu machen wie: Einkaufen oder auf die Post gehen. Es ist ein so heilsamen Fetzten aus Normalität.

Na ja - zumindest bis man da ist, und 20 Menschen ausgewichen ist, die zwar Schutzmaske und Gummihandschuhe tragen (Was für eine Plastikverschwendung) aber mit dem Wagen, sich selbst und ihrer Panik den Gang so sperren, dass man nicht einmal 20 cm Abstand halten kann. Nun denkt man, man könnten dann halt über den anderen Gang ausweichen - aber diese Menschen sind leider nicht allein und machen den Landen zu einem merkwürdigen Parkour aus Panik, verlorener Normalität, ungewohntem Abstand und Lebensmitteln.

Dabei schützen diese Masken sie gar nicht - sie bieten Schutz dafür, dass sie niemanden anstecken könnten. Sind sie also völlig gesund - sehen sie nur höchst ansteckend aus. Nun kann man darüber streiten freilich - aber dann fährt jemand, wohlgemerkt, in seinem eigenen Auto ALLEIN- mit Schutzmaske und Handschuhen an einem vorbei. Das erklär mir mal einer. So angenehm ist das Zeug ja nicht. Aber diese Formen nimmt Panik nun mal an. Dabei wäre es wichtiger, dass die Spitäler diese Masken hätten und nicht Hobby-Paniker. Aber jeder ist nun mal sich selbst, der Nächste.

Ja ich verstehe die Angst - diese Situation kennen wir alle noch nicht. Aber es hilft nichts, andere Menschen anzuschnauzen, sie sollen gefälligst hinter dieser Linie bleiben - wir haben das alle noch nie gemacht. Und letzten Monat gabs diese Linie noch nicht. Wir müssen Rücksicht auf einander behalten. Dazu gehört Händewaschen. Nicht ins Gesicht fassen. Abstandhalten (das heisst auch mit dem Kinderwagen oder dem Einkaufswagen BITTE) Aber dazu gehört auch, dass man sich anlächelt. Sich gegenseitig grüsst. Es gibt drum auch Menschen die alleine sind. Die nur ein Zimmer haben, in dem sie seit Wochen festsitzen. Die noch nicht gelernt haben, sich selbst zu beschäftigen. Und die es trifft, dass völlig fremde Menschen sie wie Aussätzige behandeln, obwohl sie völlig gesund sind. Nur so zu Erinnerung - über Blickkontakt, freundliche Worte - Nicken oder Grüssen kann man sich nicht anstecken. Und für all die die glauben Sie betrifft es nicht, und sie seien nicht gefährdet- verstehe ich, ich muss auch immer aufpassen, dass ich nicht diesen Modus einnehme –es gibt andere die Angst haben. Grüsst freundlich und haltet für sie Abstand. Ohne dummen Spruch bitte. Es kann nicht sein, dass jemand aus der Risikogruppe (oder jemand der sich dafür hält) sich erklären muss, warum man seinen Hintern zwei Schritte von ihm weg verschieben muss. Das hat nichts mit Corona zu tun. Das hat was mit Anstand zu tun.

In diesem Sinne – ich grüsse euch. Und vermisse dich Welt.



Unter dem Sternenzelt

Still, es ist sehr still geworden,

als würden alle auf einmal schweigen,

selbst die Lichter, der nächtlichen Stadt wirkten kleiner,

und irgendwie weniger hell,

wo sind alle hin? Auf einmal ist man der letzte Mensch auf Erden,

das letzte Licht das brennt,

der Frühling ist still – unbemerkt,

der Löwenzahn ist verblüht und die weissen Pusteblumen, lösten sich im Wind auf,

Rapsfelder leuchten unbemerkt gelb,

und die Vögel singen ungehört,

die Stille übertönt alles,

des Nacht, wenn die Sterne an den Himmel treten, wirkten sie näher als die Menschen um uns herum,

sie wirkten auf einmal berührbarer näher, am schwarzen Firmament,

Sie leuchten, noch

Ihr Zwinkern, ist tröstlich ihre Stimmen ganz nah,

während wir eingehüllt sind, in Dunkelheit.

Michelle Reznicek

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Bilder: Mary Hong