• Michelle Reznicek

Die grosse Reise



Heute wie versprochen der zweite Teil meiner «Kurz-Kopf-Reisen».

In den vergangenen Jahren, durfte ich schon den ein oder anderen Kurztrip unternehmen. Und jeder war auf andere Art wunderschön. Inzwischen war ich in Venedig, Paris, Amsterdam, Stockholm, London, Hamburg, München und Berlin. (Und an vielen anderen Orten deren Namen nicht so bekannt sind...)

Ich liebe das Reisen. Ich liebe es unterwegs zu sein und ganz besonders, etwas zu sehen, zu erleben oder zu fühlen, was ich noch nie zuvor gesehen oder erlebt habe.

Ich kenne viele Leute, die von ihrer grossen Reise, oder gar ihrer grossen Weltreise träumen. Ob es nun Asien, Indien oder irgendein anderer Ort ist, etwas zieht uns dort hin und wir können es gar nicht erwarten diesen Ort zu sehen.

Wenn ich endlich aus dem Flugzeug oder Zug steige, bin ich immer schon so gespannt, dass ich ungeduldiger nicht sein könnte, obwohl ich ja schon viel näher dran bin.

Daher handelt die heute Geschichte, nicht von einer Reise die ich schon gemacht habe – sondern von einer, von der ich noch träume.

Wie ist es mit euch? Träumt ihr auch von der einen grossen Reise und wenn ja, wann wollt ihr sie unternehmen? Für mich jedenfalls, könnte es schon morgen los gehen.


Die grosse Reise


Sie ist es. Meine grosse Reise.

Heute ist es soweit. Die Geschwindigkeit des Flugzeugs drückt mich in den Sitz, doch so schnell wie mein Herz der Maschine vorauseilt, kommt es mir langsam vor.

Mein Magen rebelliert – er kann das Fliegen nicht leiden. Ich auch nicht. Aber das ist es wert.

Die Bordcrew heisst uns willkommen, doch ich höre sie kaum. Es ist so weit.

Endlich. Ich habe ein halbes Leben von dieser Reise geträumt. Das wir sie nun endlich antreten, scheint mir surreal. Wenn ich die Augen schliesse, dann wache ich auf – alles war nur ein Traum.

Doch die Sitzlehnen unter meinen Fingern löst sich nicht auf. Wir sind wirklich hier.

19 Stunden. 19 endlose Stunden fliegen wir der Sonne hinterher. Die Erde dreht sich irrwitzig unter unseren Füssen und der Tag verlängert sich scheinbar endlos. Die Nacht lassen wir zurück.


Als es endlich heisst: Bitte schnallen sie sich an, hüpft mein Herz – nun geht es mir doch zu schnell. Fast will ich den Pilot bitten, noch einmal eine Extrarunde zu drehen, doch er und die Geschäftsreisenden um mich herum, für die das nur ein Flug wie jeder andere ist, würden wohl kaum Verständnis haben und so bleib ich still und unbereit.

Zum Glück müssen wir endlos lang nach unseren Koffern fischen und uns durch das Gewühl der Menschen drängen, die scheinbar vergessen haben, wie man ein Flugzeug wieder verlässt. So bleibt mir doch noch ein bisschen Zeit, in der ich mich nicht bereit fühlen kann.

Dann, viel zu langsam geht es hinaus. Ich spüre meinen Herzschlag bis in die Fingerspitzen, als ich endlich an der Reihe bin hinaus zu treten und zum ersten Mal fremde Luft in meinen Lungen fühle. Wird anderes sein? Wird es anders schmecken? Ist es kalt?

Ich werde diese seltsame, doch vertraute Sprache hören. Umgeben sein, von der Moderne und der Tradition. Ich werde Räucherstäbchen in den Tempeln entzünden. Ich werde die Hände zum Buddhistischen Gebet heben. Ich werde unter Kirschblüten wandeln. Ich werde in Spielhöllen und zwischen unverständlichen Schildern, Anzeigetafeln und Strassen verloren gehen. Ich werde zwischen Hochhäusern sein, deren Fronten von Animes schier bersten. Ich werde lächelnde Gesichter sehen, deren Züge mir dennoch fremd sind.

Vielleicht werde ich sogar einen Kimono anziehen, mit Blättern darauf und auf ein Strassenfest gehen und denen ich Mochi kaufen werde. Ich träume schon so lange davon. Ich kann es fast schon spüren. Ich trete ins helle Licht.

Ich bin schon fast da.

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