• Michelle Reznicek

Eine Geschichte der Inspiration


Eine Geschichte der Inspiration


Inspiration nach dem lateinischen Wort: Inspiratio, bedeutet «Einhauchen» oder «beseelen».

Obwohl ich schon vor ein paar Wochen einen Text zum Thema «woher kommen die Ideen» gemacht habe, in dem es ebenfalls um Inspiration gingt, möchte ich heute wieder auf dieses Thema kommen.

Inspiration – Künstler scheinen stehts und ständig nach Inspiration zu suchen. Das Ding oder das etwas, dass sie inspiriert um Kunst zu schaffen.

Ich liebe Inspiration – egal wo sie mir begegnet und in welcher Form sie mich berührt, ob ich sie «Verarbeiten» oder ob ich sie nur «Sehen und fühlen» darf, wenn ich sie in Augen und im Tunen anderer entdecke.


Inspiration – sie begegnet uns jeden Tag. Hier ein Bespiel dazu.



Es ist kalt. Eine Schneedecke liegt Zentimeter hoch – weich und glitzernd nur dann und wann von Hasenspuren berührt. Wasser – in Eiszapfen erstarrt ragt drohend in die Tiefe, wie Schwerter. Ein kleiner See, liegt gänzlich zugefroren im goldenen Licht des Tages.

Es scheint die Sonne. Der Himmel ist strahlend blau. Die Tannen stehen, rabenschwarz, wie Kohlezeichnungen, von einer dicken Schneehaube niedergedrückt und erinnern an die unwirklichen, kitschigen Postkartenzeichnungen die man manchmal, als Scherenschnitt an Ausstellungen kaufen kann.


Die kleine Zugbergbahn schlängelt sich am Berg entlang, langsam als wüsste sie selbst, wie viele Meter es gleich neben den Schienen in die Tiefe geht. Der Reisende derweil wirft dann und wann einen Blick hinunter und erschauert, halb ab der schwindelnden Höhe – halb ab den Anblick von tief türkisem Wasser – das derweilen gänzlich zu Eis geworden ist.

Es ist auffallend still. Als hätte der Schnee einen Finger an den Mund gelegt um alles Schweigen zu gemahnen.

Mit jeder Stunde die auf der kurzen Reise vergeht, verändert sich die Welt mehr und mehr zu einem Ort, der nichts mehr mit den Städten und dem übrigen Leben zu tun haben scheint, obwohl man sich wohlweisslich noch im selben Land befindet. Laubbäume verschwinden unmerklich, an ihrer statt sind nur noch schwarze Tannen zu entdecken, nur noch Felsen anstatt Wiesen, nur noch schwindelerregende Höhenunterschiede, wo noch zuvor, weites Land. Die Häuser sind zu kleinen Holzkästchen geworden, deren kleine Fenster und fast schon übermässig geschniegelter Anblick etwas misstrauen Erweckendes innewohnt.


Und schliesslich öffnen sich die Berge und eröffnet den Blick, auf das eine der Schweizer Wahrzeichen. Das Matterhorn. Nun da wir uns schon 1600 Meter über Meer befinden, erscheint es nicht mehr ganz so hoch mit seinen 4478 Metern.

Wie mit einem Lineal scheint die Baumgrenze rund um uns herumgezogen.

Von Auge ist gerade noch die erste «Station» des Matterhorns zu sehen – von dort an muss man eigenhändig klettern um die Spitze zu erreichen.


Von der Gondel der Seilbahn aus, mit der man fast eine Stunde in die Höhe fährt, sieht man Skipisten, weite unberührte Schneedecken und zweien sogar Steinböcke. Die Welt kenn nur noch zwei Farben. Schwarz und weiss – und blau- Himmelsblau.

Taucht die Gondel durch das Sonnenlicht – ist es fast warm, doch der Schatten ist eiskalt.

Die letzte Strecke – zu der höchsten Aussichtsplattform von Europa, führt noch einmal so steil hinauf, dass man den Kopf beinahe in den Nacken legen muss um das Ende der Fahrt zu sehen. Gletscher quellen, wie im Moment festgehalten zwischen den Bergtiefen hervor. Fast gänzlich von Schnee bedeckt, wirkt das herausquellende Eis, wie graue Wellen. Auch im Innern des Gletschers, dem sogenannten Gletscher-Palast, scheinen die Wände seltsam grau. Obwohl man es genau weiss, wie kalt es sein muss, legt man die Finger auf das glatte Eis und kleines bisschen spürt man die Ewigkeit darunter.


Wenn der Atem zuvor nicht stockte, so dann, wenn man die Gondel verlässt. Die Luft wird dünn, der Körper beginn zu reagieren, die Sicht dreht sich fast im Kreis. Die Sicht- von hier aus sieht man unendlich weit, auf Berge, Felsen, Schnee und vor allem in einen strahlend blauen Himmel.

Man wendet den Blick nach allen Seiten, in der klirrenden Kälte von 3820 Metern und kann sich doch lange nicht satt sehen, an dieser seltsam fremden Bergewelt. Die Luft mag dünn sein, die Bilder jedoch nur um so voller.


Und verschwindet dies alles, schliesslich in den stillen Winkeln unseres Hippocampus, scheint es fast wie Traum.

Ein seltsamer unwirklicher Ort, den man doch betreten kann, verborgen irgendwo im Herzen unseres Landes.


Ich kann wohl sagen, dass der Ausflug zum Matterhorn beeindruckend ist. Besonders, weil ich noch nie an einem solchen Ort war, noch nie Luftmangel in meinen Lungen spürte, noch nicht wusste, dass die schwarzen Tannen, auf den Postkarten nicht nur der kritisch, romantischen Fantasie eines Zeichners entspringen.

Ich glaube wohl, dass dieser Ort eine Inspiration ist für mich, nicht weil ich irgendwann einmal ein Buch über Berge schreiben werde, sondern weil er mich wieder einmal daran erinnern, wie unheimlich schön die Welt ist, und wie viele Ort es noch zu entdecken gibt, und dass manche gar nicht so weit entfernt sind, wie man glaubt.

Der Fantasie ist keine Grenzen gesetzt – so sagt man, doch manchmal bedient sich unsere Fantasy womöglich Orten, die es wirklich gibt und wenn wir nur lange genug durchs Leben gehen, mit offen Augen, so werden wir den eint oder anderen nur «Fantasy» genannten Ort finden. Manchmal sogar in sich selbst.


Sollte einem das «Dach» mal auf den Kopf fallen, der Alltag zu übermächtig werden, oder auch nur das Leben zu langweilig, so sollte man sich aufmachen ein Abenteuer zu erleben. Nicht nur als «aktiver» Künstler, schliesslich ist das Leben allein manchmal eine grössere Kunst.

Abendteuer, gibt es in ganz verschiedenen Grössen. Es müssen nicht die grössten sein, manchmal reicht ein Bahnticket. Manchmal Museum. Manchmal auch nur der pure Zufall. Entscheidend ist nur, dass wir sie wirklich wahrnehmen.


In Wahrheit können wir nicht Inspiration werden. Wir müssen den Dingen selbst das Leben «Einhauchen», indem wir erkennen wie besonders sie sind. Denn Inspiration ist nichts weiter, als die Besonderheit der Dinge zu erkennen. Sie ist sehr wichtig. Denn Inspiration haucht uns immer wieder von Neuem Leben ein.

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Bilder: Mary Hong