• Michelle Reznicek

Im Vorübergehen


Am 18.7.21 erschien ein neues Buch von mir. "Im Vorübergehen" ist eine Sammlung von 13 Kurzgeschichten, jede nicht länger als 2500 Zeichen. (Eine echte Herausforderung für jemand der normalerweise nichts kürzeres als ein Buch schreibt...)

Mit seinen knapp 60 Seiten würde ich es aber eher als "Büchlein" denn als Buch bezeichnen ;-)


Im Vorübergehen: Das Leben erzählt Geschichten. Kostbare Augenblicke die uns doch unbemerkt durch die Finger rinnen. Es ist die plötzliche Berührung, der Blumenstrauss oder die Papieraugen des Fotomodels auf der Plakatwand. Sie alle erzählen Geschichten – Geschichten des Vorübergehens.

Im Vorübergehen ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, gegriffen aus dem Leben und Streben der heutigen Zeit.


Inhalt:

Wenn es regnet / Die perfekte Frau / Das Theater des Lebens / Hast du alles im Griff? / Ich wäre so gerne – nicht du / Die Definition vom Verrücktseins / Ich wünsch dir was / Der Blumenstrauss / Die Kinder / Tod oder Leben, was darfs sein?/ Einer wird der Letzte sein / Ohne Wegweiser / Das Auge in die Welt


Der regelmässige Leser meines Blogs wird vielleicht gleich erkennen, dass er eine Geschichte aus dieser Liste bereits kennt, "Definition des Verrücktseins" hat ihre Zuhause in der kleinen Sammlung gefunden.

Als keine Leseprobe hier: das Theater des Lebens.


Das grosse Theaterstück


Durch die blau gefärbten Fenster des Hochhauses, wirken die Menschen so klein und weit entfernt.

Sie gehen die Strasse entlang – schnell und langsam, in verschiedene Richtungen. Manche bleiben stehen, andere rennen vorbei. Ein scheinbar sinnloses Gewusel – wie Insekten die über die Erde krabbeln.

Sie rennen ihrer Arbeit hinter. Sie rennen der Mode hinter her. Sie rennen ihrer Jugend hinter her. Der Augenblick – in dem sie von dem Fenster aus zu sehen sind, vergeht unbemerkt.

Sie tragen Anzüge, und Kleider, sie tragen Schuhe und manchmal Schirme, sie tragen Farben und Ohrringe. Sie tragen tausende Verkleidungen. Sie verkleiden sich als Geschäftsmann, die verkleiden sich als Chef, sie verkleiden sich als Freundin, sie verkleiden sich als perfekte Sportler, als Diätenmacher und Spinning-Girl, als Kellner und als Bankier.

Doch von oben gesehen, erkennt für einmal: auch unter Anzügen und teuren Kleidern, sind wir alles nur Menschen. Alles nur die Kinder von irgendwem, die nicht wissen woher sie kommen, und wohin sie gehen werden. Kinder die zweifeln, Kinder sie suchen, ahnungslos durch ihr Leben stolpern und eine Rollen spielen, in diesem einen, grossen Theaterstück das wir Leben nennen.

Führt einer die grosse Regie? Oder ist alles ein grosser Zufall? Treibt irgendwo dahinter, das Schicksal sein Spiel mit uns, oder sind wir die Ahnungslosen die so unwissend sterben, wie wir geboren sind?

Wir haben unsere Rollen angenommen, spielen sie, als wären sie nicht nur Verkleidungen. Wir sind gewissenhaft – denn erkennen wir sie als Verkleidung, so verliert alles seinen Sinn. Möchten wir aufwachen? Oder wollen wir weiterspielen? Oder liegt in Wahrheit, nicht in den grossen Fragen und der Vernunft der wahre Sinn, sondern im grossen Unsinn und all den dummen Fragen?

Die Welt von oben wirkt so oft nur wie ein Theater. Manchmal dumm, und manchmal weise. Zuletzt bleib nur die Frage: Werden wir, eines Tages erfahren, welches Stück wir spielen?


PS: Wer das Buch bestellt hat - Welche Geschichte ist deine Lieblingsgeschichte? Ich freue mich über einen Kommentar.

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