• Michelle Reznicek

Lass Sie uns doch mit Käsebällchen beschiessen!



Lasst Sie uns doch mit Käsebällchen beschiessen!


« Wir sind solidarisch ! » sagt die Schweiz. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich welche Massnahmen man treffen kann um solidarisch zu sein mit Flüchtlingen. Im Zug spricht man nur noch Ungarisch oder Russisch – und die SBB akzeptiert ihre hoch gehaltenen Ausweispapiere als Billette. Etwas das viel öfters akzeptiert werden sollte, da ich in einigen Zügen schon halb weinenden Menschen helfen musste, die sich in unserem komplizierten Billett und Fahrplansystem verirrt hatten, und nicht mehr wussten wie sie wo und wie hinkommen sollten. Selbst ich als Schweizerin blickte da nicht ganz durch. Manchmal scheint es mir wie ein grosses «Schiffliversänkis» man rät einfachmal ins leere hinaus, und hofft das man mit dem Billette das richtige Feld getroffen hat, in der sich die Berechtigung für einen Zugaufenthalt befindet.

Natürlich weiss ich das viele sich diese «Ich wusste von nichts.» als Masche zu gelegt haben. Ja ich weiss, niemand hat «gewusst» das er falsch war, oder hat gerade «Vergessen» dass er ein Billette braucht. Und ich weiss auch dass Kondukteure manchmal gute Nerven brauchen – mehr als ich Verständnis dafür habe. Ich stand auch schon daneben und hab mir gedacht, ich hätte mit diesen Mitfahrer weniger Geduld gehabt. Bei mir wäre so manch einer schon ganz aus dem Zug geflogen, der in der Realität entspannt sitzen bleiben durfte. Aber trotzdem. Wir dürfen nie vergessen, dass unsere Entnervheit nicht ausgerechnet die abbekommen die wirklich nichts dafür können. Manchmal wusste man es nicht, manchmal ist man falsch ohne es zu ahnen. Und ja manchmal vergessen wir etwas. Aber das ist menschlich und sollte wirklich nicht diejenigen treffen die sich sonst meist tadellos benehmen.


Wir sind solidarisch. Das behaupten wir. Doch um so länger der Krieg dauert, um so mehr tritt für mich der Eindruck auf, dass wir es eigentlich ziemlich cool finden: Den Krieg in Europa.

Nahe genug, dass wir es bequem von unserem Hinter aus beobachten können, nah genug dass wir über eine Waffenlieferung debattieren können. Aber weit genug weg, dass es wir es uns wie im Fernsehen ansehen können.

Aller Orts ist man «schockiert!» dass so etwas noch in Europa passieren kann. Man zeigt Putin den bösen Zeigefinger, doch weiter traut man sich nicht. Was wenn er uns das Gas abdreht? Wir müssten ja direkt auf alternative Energie umsteigen! Lieber rennen wir dem nach, was wir schon gar nicht mehr verwenden sollten. Als Antwort hat man Land auf Land ab angefangen Kernkraftwerke zu bauen. Sicher hat man im Sinn, dass wenn eines davon kaputt geht, wir uns um den Krieg keine Sorgen mehr zu machen brauchen. Auch um nichts anderes mehr. Anstatt es ans Chance für neue Energie und Möglichkeit zum Klimaschutz zu begreifen. Na Bravo. Für diese Überlegung habt ihr sicher ganze zwei Hirnzellen gebraucht.

Ja aber wir haben noch keine Energiemöglichkeiten gefunden! Ja – aber der neue Panzer hat ein Superradar, kann von Null auf 400 beschleunigen und wird per Bluetooth gesteuert. Man kann hat nicht in alle Richtungen mit dem gleichen Elan forschen. Und Panzer sind einfach cooooler.

Der Krieg geht derweilen weiter und nach dem die Presse nicht mehr über Corona sprechen kann, weil es dummerweise langsam aus der Mode zu kommen scheint, hat sie wenigstes Puntin und Putins Gesundheit über die man Mutmassen kann. Gut so. Wer will schon etwas über Gutes, Klimaschutz und erneuerbare Energiemöglichkeiten hören. Lieber Diättipps und Puntins Krankengeschichte.


Aber nun möchten wir beim Krieg wenigstes auch ein bisschen mitspielen. Die feuchten Politikerträume werden wahr: Sie dürfen zwar nicht selbst, aber wenigstes dürfen sie die geilen Waffen liefern! Jetzt haben wir sie so lange weiter entwickelt, und immer besser gemacht, jetzt können wir auch sehen, wie viele Menschen dabei drauf gehen! Year ist das Geil!

Ich bin sicher einige der betreffenden Politiker, haben den Spruch daheim: Stell dir vor es wäre Krieg und niemand geht hin.

Nun stellt euch vor es ist Krieg – und keine der Seiten bekäme mehr Waffen. Stellt euch vor: die müssten glatt aufhören.

Oder genau so weiter machen, wie die Natur es vor gesehen hat. Mit den Fäusten. Oder wie die Intelligenz: Mit Worten.

Dann käme auch kein Flüchtling hier her, dessen Notunterkunft man anzünden muss, weil sie uns alles wegnehmen. Das muss ein Erlebnis sein, aus einem Land zu kommen, in dem Krieg ist, in dem man alles verloren hat, in dem man Angst hatte, und hier her zu kommen, wo ein paar Idioten mit den Mistgaben hinter uns her sind. Ein Traum.

Aber wir sind ja nicht verantwortlich. Putin ist der böse.

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