• Michelle Reznicek

Vom wenig Schönen



Ich habe eine Zeitlang darüber nachgedacht, ob ich zu diesem Thema wirklich einen Blogbeitrag machen möchte, weil ich es übertrieben fand, dem Ganzen ein solches Gewicht zu geben. Doch letztendlich ist es vielleicht doch mehr, als wir zugeben möchten und es verdient einmal mehr Gehör.


Seit Kurzem gibt es einen neuen Begriff in meinem Leben. Ich habe ihn sehr unwillig und zögerlich aufgenommen, in der Hoffnung er würde damit nie aktuell. Selbstverständlich habe ich als vernünftiger Mensch, der in diesem Zeitalter lebt, davon gehört – aber verstanden habe ich es erst jetzt.

Doch nun ist der da. Unfreundlich – unflätig wie es eben seine Natur ist: «Hater»

Wie sicher alle wissen, ist Hater ein Begriff aus dem Englischen und bedeutet nichts weiter als «Hasser».

Einfach ein Mensch der dich hasst.

Menschen die sonst im normalen Leben, vielleicht freundlich und liebevoll sind, werden in den Tiefen des Internets zu Menschen der untersten Liga. Menschen die Träume zerstören, Menschen die andere verletzten wollen, Menschen die anderen Menschen zur Verzweiflung und zu Tränen treiben.

Nichts anderes als Hater.


Ich schaue manchmal einfach auf meinen PC und kanns mir nicht recht erklären. Nicht bei mir selbst und auch nicht bei anderen Bloggern. Was diese unhöflichen, schlechtgeschriebenen, und komplett unnötigen Kommentare unter dem Post zu suchen haben.

Selbst mit Vernunft und Logik – denn ich bin ein grundsätzlich logischer Mensch – kann ich sie mir nicht immer weg erklären. Mich nicht immer daran erinnern, dass die positiven Reaktionen in der Überzahl sind. Das ein einzelner dummer Kommentar, (Offensichtlich denn sie verfehlen manchmal komplett das Thema) mich nicht zu kümmern braucht. Aber es kümmert mich – und ich bin sicher jeden anderen auch der sie lesen muss.


Woher nehmen diese Menschen sich das Recht heraus, mich zu hassen? Oftmals sogar mit den Startworten: Ich habe deinen Blog zwar nicht gelesen aber…

Wieso hasst mich jemand der mich gar nicht kennt? Wenn er mich kennen würde okay, aber ganz ohne mich je gesehen, gehört oder gelesen zu haben? Muss man die Nase die einem nicht passt, nicht wenigstens einmal gesehen haben?


Die Anonymität des Internets täuscht immer wieder über eine wichtige Tatsache hinweg: Das die, die so unflätig beschimpft werden, und dass oft auch äusserst niveaulos und plump: Menschen sind. Menschen dessen Gefühl von Hater verletzt werden.

Wer von den Hater hätte den Mut und auch die Überzeugung diese Beschimpfungen von Angesicht zu Angesicht zu wiederholen? (Und wie würden Sie die drei Ausrufezeichen darstellen?) Welcher Ausdruck würde Ihnen ins Gesichts steigen, ständen wir, die Gehassten Ihnen gegenüber?

Und was gibt es Ihnen eigentlich?


Ich weiss besser, als jeder andere, dass ich nicht perfekt bin. Aber das habe ich auch noch nie behauptet. Ich bin wieder eiskalt, noch immer beherrscht. Manchmal gehen die Pferde mit mir durch. Aber wer ist perfekt? Ich würde diese Person sehr gerne treffen, damit sie mir erklären könnte, wie das ging.


Selbst solche unhöflichen Kommentare: Ich würde wie ein Kind schreiben. Dass sei bei Erwachsenen nicht süss mit den Rechtschreibefehlern. Finde ich fraglich. Ja. Ich bin Legastheniker. Aber deswegen können Kommentare doch anständig bleiben, und Tipps sparsam verteilt werden. Ich bin seit 30ig Jahren ich. Ab 1000 Stunden gilt man offiziell als Experte für etwas. Das heisst, ich bin für die meisten meiner Probleme Experte. Ein 30 Sekundenurteil, ist dann nicht ganz angebracht.

Wie die Situation eines Menschen ist, auf der anderen Seite des PCs, was seine Probleme und Erfahrungen sind, wissen wir nie - und sollten daher mit unserem Urteil zurückhaltend bleiben.

Oder hat jemals jemandem zu: Galileo Galilei, Ernest Hemingway, Leonardo da Vinci, Agatha Christi, Hans Christian Anderson, Walt Disney oder Steven Hawkins, was alles berühmte legasthenische Schreiber waren, gesagt: Schön was du da schreibst – aber zeig es keinem, deine Rechtschreibung ist echt zu scheisse um es zu lesen. Ich denke nicht.


Grundsätzlich denke ich immer: wenn man nichts Gutes zu sagen hat, so sagt man am besten nichts. Man sollte sich kritisch selbst fragen, warum man etwas sagt oder schreibt. Ist es konstruktiv? Ist es wahr? Gut durchdacht? Einfach witzig, weil es wahr ist? Wenn es nichts davon trifft, sollte man sich fragen, was man eigentlich damit bewirken will und sollte am Ende nur stehen: Ich will verletzten. Ist das äusserst bedenklich.

Täuscht euch nicht: Andere kleiner zu machen, wird euch niemals grösser werden lassen. Ihr werdet nur noch kleiner. Und andere mit euch.


Schlussendlich habe ich mir nur diese eine Antwort auf meine Frage, geben können: Gehasst wird, wer gehasst werden kann. Wer im stillen Kämmerchen sitzt, im Offlinemodus und keinen Mucks von sich gibt, kann schlecht einem Shitstorm ausgesetzt werden. Wie auch, wenn niemand weiss das man da ist?

Immer wieder wird mir gesagt: Wer in die Öffentlichkeit tritt, wird auch beschimpft. Doch warum ist das die logischste aller Konsequenzen? Ist das nicht nur, einfach traurig?


Aber entschuldigt, dass ich einen ganzen Post, nur so solch armseligen Menschen gewidmet habe. Aber manchmal gehen einem Gedanken durch den Sinn, die man nicht in sich hineinfressen sollte.


Aber ich für meinen Teil werde nicht im stillen Kämmerchen verschwinden. Auch wenn manche das offenbar gerne hätten.

Denn schlimmer, als der Hass von Fremden, ist die Enttäuschung nie etwas gewagt zu haben.

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