• Michelle Reznicek

Von der Freundin im Bücherregal


Von den gefallen Helden


Ein Satz den ich schon lange nicht mehr gehört habe: Wer sind eigentlich deine Vorbilder?

Diese Frage habe ich habe ich schon lange niemanden mehr stellen hören. Ich weiss nicht genau ob es aus Mode gekommen ist, oder ob ich es einfach nicht mehr gehört habe. Womöglich ist es wirklich aus der Mode. In einer Welt in der man aktuell das: total Angepasste und völlig Individualität, zu vereinen versucht. Tipp am Rande. Das ist nicht möglich. Das eine oder das andere. Man ist nicht völlig unique während man sich benimmt und kleidet wie Klone.

Die Mode möchte, dass wir uns bizarr in Pastell- oder grellen Noen-tönten kleiden, um möglichst herauszustechen. Gleichzeit sind die jungen Frauen und Männer heut zu Tage kaum mehr zu unterscheiden. Jedes Mädchen trägt die selben «Hüftlangen» Haare, die engen Jeans und die zu kurze Lederjacke – jeder coole Boy trägt Hippsterlook. Ich werde nicht schlau daraus. Niemand strebt mehr nach einem Vorbild, um nicht nur eine Kopie zu sein – ziehen sich aber freiwillig an, als wären sie Teil eines Biosozialen Klon Experiment.

Früher galt immerhin noch der Grundsatz: es soll auffallend schön sein. Heute ist es nur noch: es muss auffallend sein. Aus dem Grundsatz nicht mehr sein zu wollen, wie jemand anderes – haben wir überhaupt keine Ahnung mehr wie wir sein wollen.

Ich finde es schön, Vorbilder zu haben. Menschen denen wir uns orientieren können, und dessen gutes Beispiel uns vielleicht dabei unterstützen, gesunden Menschenverstand zu entwickeln und uns selbst zu finden. (Im besten Fall. Möglicherweise versuchen wir zwanghaft zu sein wie man anders, und wundern uns dann, dass wir nicht glücklich sind)

Ich finde jeder Mensch in unserer Umgebung hat die Möglichkeit ein Vorbildfunktion für uns einzunehmen. Und sei es nicht mit seinen guten Eigenschaften – dann vielleicht mit den Eigenschaften die ihm deutlich fehlen.


In diesem Sinne heute eine Kurzgeschichte für euch, die ich für einen Schreibwettbewerb mit dem Titel: "Grün" geschrieben habe. Weil Menschen manchmal auf ungeahnte Weise ein Vorbild für uns sind.

Die Freundin in meinem Bücherregal


Da steht sie. Die Tradescantia Zebrina – ein Zebrakraut von dem ich lange Zeit gar nicht wusste, was sie eigentlich ist, denn sie war Teil eines kleinen Potpourri, in einem unerwünschten Pflanzengeschenk. Daneben als Topfpartner – war ein Schilf eingepflanzt, dass nur kurz nach unserem ersten Treffen einging.

Sie ist eigentlich ziemlich ruhig. Sie ist recht filigran, weswegen ich sie möglichst selten hochhebe, um nicht Gefahr zu laufen, dass ihr diverse Körperteile abfallen. Sie ist recht schräg. Dieses Zebrakraut, denn wo sie ihre Wurzeln hat, ist ihr Geheimnis. Also ich nehme an sie ist auf der Flucht. Sie macht ihrem Namen alle Ehre, denn sie ist schön gemustert.


Ich liebe Pflanzen. Ich liebte sie schon immer. Inzwischen träume ich sogar von einem Garten, (oder einer Farm) in dem ich eigene Tomaten, Kartoffeln und Äpfel anpflanzen kann. Rosmarin, Thymian, Basilikum und Salbei, würde ich direkt an mein Küchenfenster hängen. Manchmal habe ich das schon deutlich vor Augen. Doch noch muss ich mich mit meinem «Hausgarten» zufriedengeben. Und der ist schon gross genug, denn egal was ich in die Erde stecke – es wächst auch. Egal ob es eine Aprikosenstein, ein Zitronenkern, einen Litschi Stein, oder eine Dattel war. Was ziemlich schnell zu einem ziemlichen Platzproblem führte. Spätestens, als meine drei Katzen bei mir einzogen, musste ich anfangen mich zu entscheiden.

Doch die Tradescantia blieb. Ich mochte mich nicht von ihr trennen.

Denn die Tradescantia, bekam ich von einer Schriftstellerin. Sie war eine alte Bekannte meiner Mutter. Gerade hatte ihr Schreiben erfolgreich zu werden begonnen, und sie wurde mit Geschenken solcher Art überhäuft. So kam das Zebrakraut zu mir.

Diese Schriftstellerin, die gerade einmal Anfang fünfzig war, ist vor zwei Jahren gestorben. Ihre Tradescantia steht noch immer bei mir. Ob Sie geahnt hätte, dass diese Pflanze noch heute in meinem Bücherregal stehen würde, während es sie schon nicht mehr gibt?

Wenn ich sie so betrachte, denke ich ab und an diese Frau. Und ich erinnerte mich dran, wie vergänglich das Leben ist, und wie wichtig es ist, seine Träume zu leben. Und dann kommt mir die Tradascantia, ein bisschen wie eine Freundin vor.

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Bilder: Mary Hong