• Michelle Reznicek

Warum ein Buch?


Von denen die Bücher schreiben wollen

«Du schreibst Bücher? Ich wollte auch schon immer eins schreiben!»

Stirnrunzelnd betrachte ich das mir zugewandte Gesicht. Das noch immer, von diesen Glanz von sinnloser Begeisterung zeugt. Diese Aussage ist mir grundlegend unlogisch.

Es scheint das Bücher schreiben so etwas wie ein Preis gewissen, ein Marathon laufen, oder einen Berg besteigen ist, ein Kind kriegen, ein Hund haben, seinen eigenen Baum pflanzen, und sein eigenes Haus bauen, mit Sonnenkollektoren oben drauf. Ein sogenanntes Must have – beziehungsweise Must done.

Aber warum ist das so erstrebenswert? Zugegeben, es erfüllt mich mit Stolz, jedes Buch das ich zu Papier gebracht habe, doch es war nicht das Bedürfnis nach: ein Buch schreiben. Man könnte durch aus anderes mit seiner Zeit machen als sich die Augen zu verderben, während man auf einen PC starrt und sich mit Grammatik herum zu ärgern.

Was verbinden wir mit dieser Leistung? Gehört es als Unter-Kategorie der Popstars? Dass man den grossen Rum als Schriftsteller wünscht? In einer Zeit in der die gestrigen Nachrichten heute schon vergessen sind, ist dass nur noch eine Illusion. Denn selbst ein erfolgreicher Schriftsteller ist womöglich über Nacht schon wieder vergessen. Bücher sind oft nicht mehr als dicke Zeitungen.

Ausserdem, sollte nicht immer zu allererst der Wunsch sein, etwas erzählen zu wollen? Ganz egal ob man einen Roman oder ein Sachbuch schreibt, am Anfang steht der Wunsch: Sein Wissen oder eine Geschichte festzuhalten und weiter zu geben. Der Wunsch der so stark ist, dass man ihn nicht mehr loslassen kann.

Es scheint mir falsch rum formuliert. Zudem ist mit einem Buch auch viel Arbeit verbunden.

Die Story – ist nur der glitzernde weisse Spitz aus Eiskristallen, der der aus den malerischen Wassertiefen emporragt, und über den tiefliegenden Eisberg hinwegtäuscht.

Man schreibt ein Buch – wenn man schnell ist, dauert das ein Jahr, doch meistens mehr. Man baut eine Story, macht einen Plot – ärgert sich mit schwierigen Stellen herum und prüft dann die Logik auf Herz und Nieren. Danach fängt die Arbeit aber erst an: Dann überarbeitet man es – überarbeitetes – überarbeitetes. So lange bis man sicher ist, dass es der grösste Mist ist, der die Menschheit je gesehen hat, und dann noch einmal. Bis die Sätze ihren Sinn verlieren.

Dann sucht man sich Verlage zu deren Angebot das Buch passen könnte. Und ich meine hier eine Liste von Verlagen. Nicht drei oder vier. Nachdem man ihr Angebot kennt, sucht man die Adresse – und die Einsendebedingungen. Häufig: zwanzig oder dreissig Seiten. Ein aussagekräftiges Exposé und ein kurzes Portrait des Autoren. Alles zusammen je nach Bedarf: Auf keinen Fall per Mail oder nur per Mail. Je nach Wusch. Und auf keinen Fall mehr Seiten als gewünscht. Als Autor schluckt man dann einmal leer. Schliesslich bekommt man den Eindruck, dass man andere mit einer Herzensangelegenheit belästigt.

Man sucht man alles zusammen, macht Fotos von sich selbst, was man als Autor ja so gerne macht, fabriziert eine kleine Meisterleistung in dem man den Inhalt eines Buches auf eine viertel Seite bringt, und dennoch nicht zu langweilig wirkt. Dann druckt man das Ganze und versucht es möglichst Knick und Fleckenlos an den richtigen Verlag zu schicken, und die Unmengen Portokosten zu ignorieren, für den man dann in 120 % der Fällen ein Email mit einer Standartabsage zurück bekommt. Man legt sein Herz anderen auf den Tisch – die schon so viele davon bekommen haben, dass sie keine mehr wollen. Sehen sie bitte davon ab telefonisch nach zu fragen – wenn sie innerhalb von 6 Monaten keine Antwort erhalten haben, sehen Sie dies als negativen Bescheid.

So ist es nun Mal in einer Welt, der es von Autoren nur so wimmelt.

Und hier fange ich noch nicht einmal mit den zich «Geldmach-Verlagen» an.

Selbstverlange die sich ganz offen an Selbstverlage verkaufen, sind für mich völlig in Ordnung. Abgesehen davon, dass Sie ihr Angebot so gestalten, als würde sich das Buch nach der Veröffentlichung von selbst verkaufen. Tut es nicht. Glaubt mir das einfach.

«Ihr Buch ist bei zich tausenden Onlineshops erhältlich.» Ja. Wer weiss das es das Buch gibt, findet es auch. Aber zugegeben: schon einmal ein Schritt nach vorne – Zuhause auf der Coutch wird man selten gefunden.

Derweilen verbringt man als Autor sehr viel Zeit zu Hause vor dem PC. Wenn andere sich eine Serie ansehen, oder mit Freunden essen gehen, dann sitzt der Schriftsteller zu Hause am PC. Nicht falsch verstehen. Der Autor ist dort ziemlich zufrieden – doch es gehört eine Unmenge unbezahlter Arbeit dazu, für die man sich dann anhören muss: Zurzeit nehmen wir nur noch Werke von unseren Stammautoren.

Als Autor braucht man, Disziplin. Durchhaltervermögen. Opferbereitschaft. Dickes Fell. Flexibilität. Glaube an sich selbst. Selbstvertrauen. Kombinationsfähigkeit. Man muss breit sein sehr viel Zeit zu investieren für die man nichts weiter bekommt als Zeit mit dem Buch. Und noch Vieles mehr. (Und ich behaupte jetzt nicht damit, dass ich das alles hätte)

Soviel also zum Traum vom Buch.

Was ich damit sagen will ist: Dass man sich seine Träume manchmal genauer anschauen muss. Wenn es nur ein Traum ist der so als «Standartraum» herhält, weil viele diesen Traum haben und er sich gutsagen lässt, dann sollte man sich vielleicht mal nach einem richtigen umsehen. Will man wirklich ein Buch schreiben? Will man wirklich sich ein eigenes Haus bauen? Oder lieben die Träume vielleicht ganz wo anders?

Und wenn man sie dann wirklich gefunden hat, dann muss man sie wirklich verfolgen, ansonsten kommt man vielleicht niemals dahinter, ob es ein echter Traum war, oder nur ein Gedanke der sich gut angehört hat.

Was ich damit sagen will: Wenn Ihr Schreibt: Schreibt weiter. Träume sollten niemals sterben.

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