• Michelle Reznicek

Woher kommen die Ideen?



Wo hast du eigentlich immer die Ideen her, fürs Schreiben?

Mitunter die häufigste Frage die man mir stellt.

Wo kommen die Ideen her? Na ja. Ich weiss auch nicht genau – wo kommen eure denn her?


In meinem Leben hatte ich noch nie das Problem: Keine Idee zu haben. Zumindest was das Schreiben betrifft.

In der Regel habe ich zu viele Ideen und muss sie zwangsweise verwerfen oder für eine andere Geschichte verwenden.


Hierzu gar mein erster Tipp:

Schreibt eure Ideen immer gleich auf. Nehmt euch ein Notizbuch und tragt es immer bei euch.

Auch wenn ihr Ideen oder Textstellen habt, die während des Schreibens entstehen, aber nicht in das aktuelle Buch passen, - macht eine Textdatei daraus und nehmt es in eure Sammlung auf.

So habt ihr auch immer einen guten Stock an Ideen, die ihr später verwenden könnt, und euch kommt nie der Gedanke ihr hättet nichts.


Hattest du noch nie eigenen Black -out also so gar keine Idee?

Nein. Also doch einmal.

Ich nehme gerne an Schreibwettbewerben teil, weil ich finde, dass hält mich vielseitig. Ich nehme an jeder hat so seine Lieblingsthemen über die er gerne spricht, denkt und schreibt. Wenn man an Schreibwettbewerben teilnimmt, insbesondere in verschiedenen Genres, dann übt man sich in neuen Gebieten und mit Themen die man sich sonst nicht aussuchen würde. Ich habe sogar mal ein kurzes Theater Stück geschrieben. Das hat ziemlich viel Spass gemacht. Gerade weil ich noch nie so etwas gemacht hab, und ich mich auch an «Technische» Vorgaben halten musste, wie – es soll mit nur 3 Schauspielern und einem Bühnenbild auskommen.

Aber einmal hatte ich wirklich keine Idee. Es war eine Ausschreibung – ich glaube vorletztes Weihnachten.

Die Aufgabe war: Schreib einen Text zu Weihnachten aus Sicht eines Haustiers. Ich glaube meine Muse war von diesem Gedanken beleidigt, denn obwohl mir eine wage Idee kam, konnte ich mich einfach nicht durchringen etwas aufzuschreiben. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen wie ich diesen Text unkitschig oder unkindisch klingen lassen sollte. Zumal ich mir nicht vorstellen konnte, dass dieses Thema die Haustiere überhaupt interessiert.

Meine Katze hat zu letztem Weihnachten nur jede Christbaumkugel einzeln vom Baum geholt- und hatte dabei wohl keinen allzu festlichen Gedanken.


Was ist dein Tipp, wenn man keine Idee hat?

Mein absolutes Lieblingsinstrument sind Mindmaps. Ich bin sicher viele von euch kennen sie schon. Aber die für die es nicht so ist:

Bei einem Mindmap nimmt man sich einen Stift und ein Papier. Man schreibt die erste Idee, oder den ersten Begriff in die Mitte – ich mach gerne einen Kreis darum. Dann schreibt man alles was einem noch dazu in den Sinn kommt in weitere Kreise rund herum. Zwischen den Kreisen zieht man Linien. (Ungefähr so wie im Bild zu diesem Post. Nur das eine Idee auch zur nächsten führen kann, und nicht alles bei der Grundidee startet)

Manchmal ist es erstaunlich wie viel Ideen wir haben – aber erst ein Mindmap schafft es unseren Kopf zu klären.


Wie ist es mit Stimmungsmachern?

Zum Schreiben hören viele gerne Musik. Um sich in die richtige Stimmung zu bringen. Tipp von mir – verausgabt euch nicht zu lange mit der «Auswahl» oder dem Ambiente wie Kerzen oder Dekoration. Ich höre keine Musik und machte keine Kerze an. Bei mir auf dem Tisch steht ein Café, eine Wasserflasche, (um ständiges Aufstehen zu vermeiden) ein Notizbuch und mein Handy. – Letzteres aber nur wenn es euch nicht ablenkt. Bei mir liegt es oben damit ich die Zeit im Blick habe und recherchieren kann. Sollte Sozial Media aber eine grosse Versuchung für euch sein, lasst es in einem anderen Zimmer oder zumindest umgedreht und lautlos.

Ideen sind Gedanken in eurem Kopf. Damit ihr sie habt, müsst ihr eurem Kopf aber zwischen durch auch etwas Zeit geben euch etwas zu erzählen. Wenn man pausenlos irgendeine Beschäftigung nachgeht, sei es Musik, Podcast oder andere ich nenn es jetzt mal «Bedudelung» hab ihr überhaupt keine Zeit Ideen zu haben. Nehmt euch manchmal einfach die Zeit nichts zu tun. Auf der Busfahrt – im Zug etc. Momente in denen ihr nicht wie der Rest der Menschheit sofort euer Handy zückt. Seit nicht angestrengt auf der Suche. Lasst eure Gedanken einfach dümpeln. Und wenn euch dabei nicht sofort was in den Sinn kommt, dann habt ihr euren Kopf wenigstes so weit entspannt das ihr wieder klar denken könnt.


Inspiration

Wenn ich das Gefühl habe die Decke fällt mir auf den Kopf, dann klappe ich den PC zu und tue etwas anders.

Ich gehe an eine Ausstellung – ins Museum – in den Zirkus, irgendwo hin wo es mir gefällt und ich viele Sinneseindrücke mitnehmen kann. Einfach zu sehen, zu hören, zu schmecken zu reden und zu lachen.

Es geht dabei nicht darum eine neue Idee zu kriegen, sondern den Kopf zu lüften, etwas zu sehen was das Herz und den Geist freut und neue Reize zu erleben.



Und wenn ich keine perfekte Idee habe?

Wenn ihr seid wie ich, dann neigt ihr vielleicht zum selbst boykottieren.

Ich hänge mich z.B. gerne an eine Textstelle auf, weil sie mir nicht gut genug erscheinen. Mein Trick ist, einfach weiter zu machen. Wenn der ganze Text erst steht, geht man ohne hin 20 Tausend Mal drüber.

Sich Luft zu geben und einfach später noch einmal drüber schauen, holt die verloren gegangene Objektivität wieder zurück.

Vielleicht ist es gar nicht so schlecht wie man dachte. Vielleicht schon – aber ihr seit inzwischen besser orientiert und/ oder ihr bemerkt das der Text auch gut ohne die Szene auskommt.

Ändert zwischen durch den Blickwinkel und fragt euch, was sollt diese Textstelle eigentlich genau. Bleibt aber objektiv. Habt ihr an dem Text auszusetzen oder an euch selbst?


Ideen.

Geschichten sind überall um uns herum. Die Welt erzählt fortwährend Geschichten. Es ist die Kunst: zuzuhören.

Selbst die Menschen um uns herum, die niemals ein Wort mit uns sprechen. Sie erzählen ebenso Geschichten, mit einer Geste, mit einer Kleidungswahl, mit ihrer Art sich zu bewegen.

Manche der Gebäude die wir tagtäglich betreten, haben Jahrhunderte überdauert. Ihnen ist es möglicherweise gleichgültig welches Jahrhundert herrscht. Die Zeit ist ihnen einerlei. Sind es Autos oder Postkutschen deren Echo man hört? Sind es Reifröcke die rascheln oder Aktentaschen?

Jeder Mensch und jedes Ding hat seine Geschichte. Was glaubt ihr, was der Pullover zu erzählen hätte, den ihr gerate trägt?

Der Café auf meinem Tisch ist weiter gereist als ich. Die Tomaten in meinem Kühlschrank sind aus Marokko. Wer hat sie gepflückt? Mein Telefon war mal in einer Fabrik, und wurde von einem Asiaten gebaut. Die Dinge mögen stumm sein, ihre Geschichten sind es nicht.

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Bilder: Mary Hong